BUND Ortsverband Kirchhain-Amöneburg-Rauschenberg

Internationaler Tag der Streuobstwiesen am 29. April 2022

Artikel in der Oberhessischen Presse

Der internationale Tag der Streuobstwiesen am letzten Freitag im April war für den BUND Ortsverband Kirchhain Anlass, eine Informationsveranstaltung auf die Beine zu stellen über den besonderen ökologischen Wert von Streuobstwiesen und insbesondere der Streuobstwiese „In den Lambern“ an der Kirchhainer Straße „Auf dem Eichhänzchen.

Damit stieß die Gruppe, die die „Lambern“ seit dem Jahr 2000 von der Stadt Kirchhain gepachtet hat und sie pflegt, auf reges Interesse. Die Besucher hatten Gelegenheit, sich bei einem Spaziergang durch das Gebiet anhand der dort vom Ortsverband aufgestellten bebilderten Schautafeln und durch kleine Vorträge über die Einzigartigkeit einer Streuobstwiese zu informieren.

Sie erfuhren dabei, dass  eine Streuobstwiese eines der artenreichsten Biotope ist, in dem bis zu 5.000 Tierarten und eine Vielzahl an Pflanzen vorkommen können, angefangen von Insekten, wie Bienen und Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen, sowie Käfer, Ameisen, Raupen und  Vögel bis hin zu im Unterbewuchs blühenden Wildkräuter. Vögel finden hier Nistmöglichkeiten in den Höhlen von abgestorbenen Bäumen, andere Tiere Lebensraum auf den Blättern, in der Rinde der Bäume und im Unterwuchs der Wiese. Viele Arten  können sich von dem reichlich vorhandenen Nektar, den  Pollen oder den Insekten ernähren und im Herbst kommen noch die Früchte hinzu.

In den „Lambern“ stehen ca. 300 teils sehr alte, teils neugepflanzte Obstbäume, insbesondere Kirsch-, Mirabellen- und Pflaumenbäume, sowie die jetzt wunderbar blühenden Apfelbäume. Da eine Streuobstwiese eine Kulturlandschaft ist, muss sie aber auch dauerhaft gepflegt werden, d.h. die Bäume werden von der BUND-Gruppe regelmäßig geschnitten, damit sie nicht überaltern, neue Bäume werden gepflanzt und regelmäßig wird  die Wiese von wuchernden Brombeeren, Weißdorn und Heckenrosen befreit. Wichtig ist auch, dass die Wiese regelmäßig von den Schafen eines  Schäfers aus Stausebach beweidet wird.

 Insgesamt sind in den „Lambern“ inzwischen mehr als 150 neue Obstbäume gepflanzt worden. Bei den Nachpflanzungen achtet der Ortsverband darauf, dass es alte ökologisch wertvolle Obstsorten sind, die verschiedene Eigenschaften bzw. Inhaltsstoffe (insbesondere gesundheitsfördernde Polyphenole) aufweisen, die bei den heutigen Neuzüchtungen verloren gegangen sind. So vertragen viele Menschen, die keine Äpfel essen können, weil sie gegen die heute in Supermärkten erhältlichen Äpfel allergisch sind, viele alte Apfelsorten  wie z.B. Goldparmäne oder Gravensteiner.  

Die Besucher erhielten auch Informationen über die vielfältige Vogelwelt in Streuobstwiesen. Allerdings sind einige der auf der dazu gehörenden Schautafel abgebildeten Arten nicht mehr in den „Lambern“ anzutreffen. So nistet leider  seit Jahren dort kein Steinkauz mehr  und auch Vögel der halboffenen bzw. offenen Landschaften wie der Neuntöter oder der Wendehals kommen in den „Lambern“ nicht vor, dafür aber u.a. der Grünspecht, der mit seiner 10 cm langen Zunge aus dem Wiesenboden Ameisen hervorholen kann, der Buntspecht, der Gartenrotschwanz, die Mönchsgrasmücke, Blaumeise und Kohlmeise, das Rebhuhn, der Kleiber und der Gartenbaumläufer.

Ein weiterer Schwerpunkt bei der Führung war die Information über Honigbienen und Wildbienen, die in den „Lambern“  Nahrung und Lebensraum finden. Dabei  ist vielen Menschen heute bewusst, welche wichtige Leistung z. B. die Honigbienen bei der Bestäubung von Kulturpflanzen leisten und dass  deshalb  unbedingt jeder dazu beitragen sollte, bienenfreundliche Blühpflanzen  in seinem Garten zu pflanzen.

Aber mindestens genauso wichtig für die Vielfalt und Bestäubung von Pflanzen und damit die Biodiversität sind Wildbienen, die einzeln leben, also nicht in einem Bienenstock wie die Honigbienen. Von den mehr als 500 Wildbienenarten  sind viele hochspezialisiert auf eine Pflanzenart. Wenn diese ausstirbt, ist auch diese Bienenart zum Aussterben verurteilt. Zugleich benötigen  diese Bienen spezifische Nistmöglichkeiten, zumeist in unberührten offenen Bodenbereichen. Helfen kann man Wildbienen, indem man ihnen freien Erdboden bietet zum unterirdischen Nestbau und oberirdische Nistplätze in Wildbienenhotels mit Pflanzenstängeln oder Holzstücken, in die unterschiedlich große Löcher gebohrt sind.

Die Informationsveranstaltung wurde ergänzt durch eine Bastelaktion und ein Quiz für Kinder und einen kostenlosen Apfelsaftausschank an die Besucher, die sich dadurch von der Schmackhaftigkeit von regional  erzeugtem Apfelsaft überzeugen konnten.

Dem Ortsverband war es aber auch wichtig, auf die vielen vor allem in den Kirchhainer Außenbereichen  vorhandenen Obstbaumbestände hinzuweisen, deren Pflege  häufig vernachlässigt wird und deren Erhalt ebenfalls für die Biodiversität, aber auch als Kulturgut wichtig ist. Wenn sie nicht geschnitten werden, überaltern sie, Zweige brechen ab, Misteln entziehen ihnen  Lebenskraft, Früchte werden kaum noch gebildet. Es wäre daher schön, wenn sich Paten fänden, die sich deswegen einzelner Bäume annehmen würden. Eine Nachfrage bei der Stadt kann da weiterhelfen.

Im Übrigen kann auch der Ortsverband Kirchhain bei der Pflege der „Lambern“ durchaus noch Unterstützung brauchen. Von daher ist jeder der mit Hand anlegen möchte, herzlich eingeladen, an jedem zweiten Dienstag eines Monats ab 16.00 Uhr in den „Lambern“  (Treffpunkt am Spielplatz) z. B. beim Entbuschen mit zu helfen. Bitte informieren Sie sich auf der Website des BUND-Ortsverbandes (www.bund-kirchhain.de) für den Fall, dass ein Termin ausfallen sollte.