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BUND Ortsverband Kirchhain

Streuobstwiese "In den Lambern"

Die Streuobstwiese „In den Lambern“ – ein Kleinod in Kirchhains Nordwesten

Streuobstwiesen früher und heute

Streuobstwiesen prägten jahrhundertelang das Landschaftsbild in Mittelhessen, besonders für den Ortsrandbereich waren Streuobstflächen typisch: die Eingrünung der Dörfer durch die Obstwiesen rundete das Ortsbild ab und bildete zugleich den Übergang in die freie Landschaft. Durch die Siedlungserweiterung sind diese gewachsenen Ortsränder größtenteils zerstört worden und auch in der freien Landschaft wurden Streuobstflächen durch die Intensivierung in der Landwirtschaft stark zurückgedrängt. Seit der Jahrtausendwende setzt jedoch ein Umdenken ein. Der ökologische Wert der Streuobstbestände wird erkannt und neue Obstwiesen beispielsweise als Ausgleichsflächen angelegt.
Aber: Jede Streuobstwiese bedarf der beständigen Pflege!

Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen

Seit dem Jahr 2000 sind wir bemüht, die am nordwestlichen Ortsrand von Kirchhain gelegene ausgedehnte Streuobstwiese zu erhalten. Mit Schnittmaßnahmen im Winterhalbjahr versuchen wir den Bestand an alten hochstämmigen Bäumen zu erhalten. Gleichzeitig ergänzen wir den Bestand in jedem Herbst, wobei wir gezielt robuste alte hessische Apfelsorten auswählen. So sind von und im Laufe der Jahre zu den etwa 100 alten Apfel-, Birnen-, Pflaumen-, Kirsch- und Mirabellenbäumen gut 100 neue Obstbäume gepflanzt worden und ein altersmäßig gemischter Baumbestand ist entstanden. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit besteht im Entbuschen der Flächen, denn ohne Eingriff breiten sich auf den offenen Wiesenflächen Sträucher wie Weißdorn, Schlehe, Heckenrose, Brombeere aus und bedrängen die Obstbäume.

Erhalt alter und lokaler Obstsorten

Streuobstwiesen haben eine herausragende Bedeutung für die Biodiversität. Alte Streuobstwiesen haben ein breites Sortenspektrum und zeichnen sich durch eine große Baumgesundheit, hohe Vitalität und gesunde Früchte aus, obwohl  keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Daher wählen wir für die Verjüngung Sorten, die sich im Laufe der Zeit bestens an die örtlichen Klimaansprüche und Bodenverhältnisse angepasst haben und so robust und weniger pflegeintensiv sind. Dadurch kann gleichzeitig zum Erhalt der alten Sorten und damit zur genetischen Vielfalt beigetragen werden. Es finden sich daher ungewöhnliche Namen wie Bischofsmütze, Doppelter Prinzenapfel, Echter Winterstreifling, Gacks Apfel oder Krötenrabau unter den neu gepflanzten Bäumen.

Gesunde Apfelsorten auch für Allergiker

Wie wichtig der Erhalt von alten Apfelsorten ist, zeigt sich auch daran, dass in Deutschland  ca. 4 Millionen Menschen allergisch auf Äpfel aus dem Supermarkt reagieren, aber nicht auf den Verzehr von alten Apfelsorten. Der hohe Gehalt an Polyphenol in den alten Apfelsorten ist dafür vermutlich entscheidend. Polyphenol bewirkt, dass der Apfel weniger süß schmeckt und das Fruchtfleisch sich nach dem Anschneiden schnell verfärbt – Eigenschaften, die in den gezüchteten Supermarktsorten nicht erwünscht sind.

Lebensraum Streuobstwiese

Unser Anliegen ist es, den Lebensraum Streuobstwiese in seiner Vielfalt zu erhalten.

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen.  Der Artenreichtum ist bedingt durch die Kombination von extensiv genutztem Grünland, das meist von Schafen beweidet wird, und offenen Gehölzstrukturen. Über 5000 Tierarten leben am Boden, im Unterwuchs, an den häufig von Flechten und Moosen überzogenen Stämmen und im Kronenraum der Bäume. Von besonderer Bedeutung sind die Höhlen alter Bäume; sie werden von Höhlenbrütern wie dem Wendehals und Steinkauz oder von Säugetieren wie Garten- und Siebenschläfer und verschiedenen Fledermausarten genutzt. Auch der Unterwuchs einer Streuobstwiese ist sehr artenreich. Auf den ungedüngten Wiesen hat sich eine Pflanzenvielfalt mit z.T. seltenen Kräutern entwickelt, so dass für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten die Wiesen nicht nur zur Zeit der Obstblüte attraktiv sind.

Obstverwertung

Früher dienten die Streuobstwiesen natürlich der Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit frischem Obst – auch dieser Gedanke wird von uns aufgegriffen: Wir hoffen stets auf eine reiche Ernte, denn wir lassen die Äpfel keltern und vermarkten den Apfelsaft auf Kirchhainer Festen. Die Einnahmen werden zur weiteren Unterhaltung der Lambern eingesetzt.

Helfer gesucht

Wer uns bei den Pflegearbeiten in den Lambern unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen.
Menschen mit Fachkenntnissen im Obstbaumschnitt sind besonders willkommen, aber auch über jeden anderen Helfer, der uns bei der Neupflanzung, beim Erntfernen des Schnittguts oder der Entbuschung unterstützt, freuen wir uns. Und auch bei der Apfelernte sind wir für jede Mithilfe dankbar – egal, ob BUND-Mitglied oder nicht!


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